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10. November 2008 1 10 /11 /November /2008 01:17

Aus Langeweile habe ich mir, der ich ein Freund von Statistiken bin, gedacht, ich packe mal die Arbeit, die ich im Nachtdienst mache in eine Statistik.
Die Werte sind grob geschätzt, orientieren sich also nur bedingt an der Realität. Aber die tatsächlichen Zahlen dürften in der jeweiligen Ecke liegen.

Generelles:
Durchschnittlich mache ich 5 Nächte pro Monat. Das macht 60 Nächte im Jahr. Dabei dauert eine Nachtschicht 10 Stunden. Das sind im Jahr also 600 Stunden. Auf Tage umgerechnet verbringe ich nur im Nachtdienst exakt 25 Tage durchgehend an diesem Platz und mache die Nacht zum Tage.

Ich mache alle 2 Stunden einen Rundgang. Das sind 5 Rundgänge pro Nacht in denen ich jeweils durchscnittlich (!) 20 Türklinken betätige. Pro Nacht also 100. Auf das Jahr umgerechnet, drücke ich nur im Nachtdienst etwa 6000 mal die Türklinke herunter. Türklinken, die mit allem behaftet sind, was der menschliche Körper auszuscheiden hat. Natürlich für das bloße Auge unsichtbar. Die Händedesinfektion hat also auch im Nachtdienst einen deutlichen Nutzen.

Mein Rundgang ist jeweils ungefähr 266 Meter lang, in der Nacht also 1330 Meter.
Im Jahr lege ich so eine Strecke von knapp 80 Kilometern im Stop-and-Go Verfahren zurück.


Medikamente:
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Nacht, ist das Stellen der Medikamente. Das heißt, die Medikamente werden für jeden Patienten für den nächsten Tag gerichtet.
Bei durchschnittlich (!) 23 Patienten pro Nacht und 4 Medikamenten ergibt es sich, dass ich 92 mal Medikamentenverpackungen herausnehme, öffne, den Blister ziehe und die Tabletten herausdrücke.
Im Jahr mache ich das also 5520 mal. Das an einem Stück, und meine Fingerkuppen würden bis auf den Knochen durchgescheuert sein.


Berichte:
Die Berichte, die wir über jeden Pat. eintragen müssen, verfassen wir am Computer.
Pro Nacht schreibe ich durchschnittlich bei 23 Pat. 365 Worte, 1962 mal tippe ich auf die Tastatur und bekomme so 33 Zeilen hin.
Im Jahr sieht das folgendermaßen aus:

21.900 Wörter, 117.720 Zeichen und 1980 Zeilen.
Das ist noch nicht genug? Na gut.
Auf alle Mitarbeiter (durchschnittlich) gerechnet sieht es so aus:
262.800 Wörter, 1.412.640 Zeichen (da sieht man, wie die Tastatur nur im Nachtdienst beansprucht wird!) und 23.760 Zeilen.

Auf eine normale DIN A4 Seite bei Microsoft Word umgerechnet, Times New Roman Schriftgröße 11 ergibt das bei mir im Jahr 26 vollgeschriebene Seiten (ohne Absatz). Alle Mitarbeiter zusammen bekommen so 312 Seiten zusammen.

Zum Vergleich mit meinem Buch, das ungefähr im Handel eine mittlere Dicke hätte. Es besteht aus rund 72.000 Wörtern und rund 467.000 Zeichen. Die Zeilen gebe ich aus Gründen der Formatierung nicht an.
An meinem Buch gemessen schreiben wir alle pro Jahr etwa 3 Bücher.

Und das nur im Nachtdienst wohlgemerkt. Im Tagdienst fallen die Berichte meistens wesentlich umfangreicher aus. Was man sich hier also alles zusammentippt würde Bibliotheken und Archive füllen.
Dahingehen ist es nachvollziehbar, dass die Dokumentation in unserem Betrieb seit ein paar Monaten nur noch elektronisch erfolgt.


Nun, das war eine kleine Übersicht zu meinen Nachtdienst.



The english translation will follow.

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8. November 2008 6 08 /11 /November /2008 22:55
Diesmal habe ich mir tatsächlich meine Gitarre mitgebracht und hoffe, dass ich dadurch endlich dazu komme, meinen neuen Song fertig zu machen. Bin gespannt, ob er euch gefällt.
Diesmal habe ich komplett vergessen, mir etwas zu Essen mitzunehmen. Verdammt!

Mit der Arbeit bin ich seit 22.30 Uhr fertig. Mein Dienst beginnt um 21.00 Uhr! Das liegt aber daran, dass viele Patienten in ÜBE (Übernachtungsbelastungserprobung) sind. Ich musste Medikamete stellen, wofür ich etwa 20 Minuten gebraucht habe. Wenn die Station voll ist und alle Patienten anwesen sind, brauche ich bis zu 1,5 Stunden. Dementsprechend ruhig ist es hier auch.

Alles, was ich jetzt noch tun muss, ist meine Kontrollgänge alle zwei Stunden zu machen. Das nächste mal um Mitternacht.


This night I really took my guitar with me and I hope, that I can finish working on my new song. I'm excited, if you'd like it.
Tonight I forgot to take some food with me. Dammit!

I finished my work at half past ten. My job starts at 9 o' clock. The reason is, that many patients are at home during the weekend. I had to prepare the medicaments for the next day. That took 20 minutes. Normally, when everyone is here, it takes up to 90 minutes. So it's quite quiet in here.

The only thing I have to do now, is doing my round every two hours. Next at midnight.
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7. November 2008 5 07 /11 /November /2008 23:54
Das frage ich mich heute. Ehrlich gesagt könnte ich ein bischen reiern.
Normalerweise gibt es mehrer Möglichkeiten, wie ich mir die Zeit im Nachtdienst vertreibe:
- Ich schreibe an meinem Buch oder mache Schreibübungen
- Ich gucke einen Film
- Ich spiele Computerspiele am Laptop
- Ich spiele Gitarre
- Ich spiele Konsolenspiele auf der PSP oder dem DS
- Ich esse Süßigkeiten
- Ich surfe im Internet

Heute trifft nur das Letzte zu. Da ich noch immer auf mein Netbook warte, fallen die Punkte Schreiben, Filmgucken und PC-Spiele weg. Darauf hatte ich mich bereits eingerichte, wenn auch verärgert.
Süßigkeiten habe ich vergessen zu kaufen.
Ich habe mir gerade einen Memory Stick Pro Duo für die PSP gekauft mit 4 GB Speicher, damit ich endlich Demos aus dem Playstation Store spielen kann. Habe mich wahnsinnig auf die Demo von God of War und SOCOM gefreut. Als ich dann heute Nachmittag fröhlich herunterlud, brach das System ab, und alles, was ich bisher gespeichert hatte verschwand im ewigen Nirvana. Der Stick ging kaputt. Damit hatte sich das auch erledigt, denn gescheite Spiele habe ich im Moment nicht.
Naja, dann spiele ich halt exzessiv Gitarre, es gillt ja noch ein Stück zu Ende zu komponieren. Komme zur Arbeit: Saite gerissen. Natürlich die D-Saite, von der ich ausnahmsweise keinen Ersatz dabei habe, im Gegensatz zu den anderen Saiten.
Jetzt muss ich mich wirklich durchkämpfen, denn das Surfen ist an meinem Arbeitsplatz durch diverse Filter nur sehr eingeschränkt möglich. Und ich werde auch nicht die ganze Nacht Overblog-Artikel schreiben.
Morgen bringe ich auf jeden Fall meine Gitarre mit.
Hatte mich so auf Entspannung nach einem sehr anstrengenden Tag gefreut, und dann das.
Wenn etwas schiefgehen kann, dann wird es das. Murphys Gesetze.


That's what I ask me this evening. To be honest, I could vomit a little bit.
Usually there a different ways how I can pass my time during the night shift.
- I continue writing my book or do some writing practice.
- I watch a movie
- I play games on my Notebook
- I play some guitar
- I play games on the PSP or the DS
- I eat candy
- I surf through the internet

This night only the last point is what I can do. Because I'm still waiting for my Netbook, I can't write, watch and play. But I already expected that, angry nevertheless.
I forgot buying sweets.
A couple of days ago, I bought a memory stick pro duo with 4 GB memory for my PSP. The reason was, that I was able to play larger demos at last from the Playstation Store. I was really looking forward to play the demo of God of War or SOCOM. Well, as I happily downloaded games this afternoon, the system crashed and all my Savedatas and already downloaded demos disappeared into the eternal Nirvana. The stick broke. So this point was finished because I have no exciting games at the moment.
Well, then I will play guitar excessively 'cause there is still a song to be finished composing. I come to work. The string is teared. Of course it was the D-String which I had no replacement for unlike I have for the other strings.
Now I really have to fight, because surfing at my work is limited by lots of different filters. And I event wont write Overblog-articles all night long.
Tomorrow I will bring my own guitar, that's for sure.
I was really fucking looking forward for relaxation after a hard day.
Whatever can go wrong, will go wrong. Murphy's Law.
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18. Juni 2008 3 18 /06 /Juni /2008 14:29
Ekelhaft, oder? Ich lief so die halbe Nacht durch den Nachtdienst, ehe mir auffiel, dass ich einen großen, weißen Fleck voll wunderbarer Muttermilch-Babykotze auf meiner Schulter spazieren trug.
Peinlich, nach etlichen Gesprächen mit Pat. und meinen Kollegen.
Und ich hab mich shon die ganze Zeit immer gefragt, warum ich so komische müffel ...
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18. Juni 2008 3 18 /06 /Juni /2008 00:36
Ich habe mal wieder Nachtdienst. Gerade habe ich die Medikamente für unsere 23 Patienten für den nächsten Tag gestellt. Jetzt gleich werde ich die Medikamentenbestellung für morgen machen.
Einige Patienten sind etwas unruhig, der eine hat nun schon bald 48 Stunden nicht geschlafen. Der andere hat wieder eine zunahme seiner psychotischen Symptomatik was sich in Missempfindungen des Körpers äußert. Aber insgesamt ist es ruhig. Ich arbeite ja auch auf einer offenen Station.

Bis vor einem Jahr habe ich noch auf einer geschlossenen Station gearbeitet und da ging es natürlich anders her. Irgendwie war es spannender. Naja.

Letzte Nacht hatte ich einen Traum, in den sich zum wiederholten Male eine ehemalige Patientin geschlichen hat. Es ist eine Patientin der geschlossenen, etwa so jung wie ich. Borderlinerin. Lag sehr oft in der Fixierung, da sie den Drang hatte, sich zu strangulieren. Sie liegt noch immer auf der Station. Seit bald 2 Jahren.
Ich habe geträumt, dass ich auf der Station arbeit und sich diese Patientin völlig verändert hat. Sie sah gepflegt aus, hatte die Haare nett gemacht, Make Up drauf getan und war total optimistisch und sehr gut drauf. Nichts mehr im Vergleich zu dem stagnierenden, melancholischen Zustand, mit dem ich sie in Erinnerung habe.
Dieser Traum hängt mir nun schon den ganzen Tag nach. Ich weiß nicht warum.

Ihr ist übrigens folgendes Gedicht gewidmet: Die Leiden der K.
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11. Mai 2008 7 11 /05 /Mai /2008 14:02
... und ich sitze wiedermal auf der Arbeit. Heute habe ich Spätdienst. Neidisch denke ich an meine Frau, die mit den Kindern zu Verwandten gefahren ist, um dort zu grillen. Selbiges tut mein Kollege, der sich gerade in den Feierabend verabschiedet hat. Und ich sitze hier und kaue Fußnägel. Naja, ess was Schokolade halt.
Meine Kollegin, mit der ich heute eigentlich Dienst gehabt hätte, wurde abgezogen für den heutigen Tag ins Haupthaus um dort auf der Geschlossenen auszuhelfen. Hätt ich lieber gemacht. Ok, wahrscheinlich wird sie dort nur Sitzwache bei einem fixierten Patienten machen müssen, aber das ist immer noch interessanter, als Sonntag Nachmittag hier zu sein. Hier ist absolut nichts los.
Schau mer ma, was noch so passiert.

Übrigens: GTA IV ist schon ein verdammt gutes Spiel. Habe die Nacht bis 3 Uhr daran gesessen, bevor ich schlafen ging und schließlich um etwa 8 Uhr von meinen Kiddies wieder geweckt wurde. Aber es hat sich gelohnt.
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10. Mai 2008 6 10 /05 /Mai /2008 07:58
Jetzt habe ich gerade beim Stöbern das hier gefunden (link) und frage mich: Sieht es wirklich so schlecht in den deutschen Psychiatrien aus?
Ich arbeite in einer sehr großen Institution und habe noch keine Erfahrung mit anderen Psychiatrien gemacht. Nicht zu verwehren ist, dass der Umgang mit den Menschen sehr unterschiedlich ist, ob sich diese nun auf offenen oder geschlossenen Stationen befinden.
Zur Zeit arbeite ich auf einer offenen Station und ich kann nicht behaupten, dass sich die Patienten hier unwohl fühlen. Im Gegenteil sogar.
Aber ich habe auch auf der Geschlossenen gearbeitet, und da kann ich so machen Patienten wiedererkennen, so wie es der User in dem verlinkten Blog beschrieben hat.
Die Patienten kommen dort oft unfreiwillig hin. Wenn sie suizidal sind, hoch psychotisch, schwerst depressiv oder aber auch manisch. Gerade bei den Psychotischen und den Manikern ist oft eine hohe anfängliche Intolleranz zu sehen. Absolute Krankheitsuneinsicht macht die Behandlung meist recht schwer. Besonders die Maniker können dabei mitunter ausgesprochen unangenehm und oft agressiv werden.
Deshalb ist der Umgangston zumeist recht forsch und direkt. Man stelle sich nur mal vor, ein solcher Maniker steht vor einem. Logorrhoeisch, angespannt bis in die Haarspitzen, auf Konfrontation aus. Leider kommt man da mit ruhigen Gesprächen sehr oft nicht weit. Gerade, wenn man als Pflegepersonal körperlich bedrängt wird ist es wichtig, klare Grenzen zu setzen. Auf einer geschlossenen Station kann alleine einsehr unruhiger Patient aufgrund seiner Psychose o.Ä. die ganzen restlichen Mitpat. dermaßen in Unruhe und Agitation versetzen, dass es zu Eskalationen kommen kann.
Sehr oft steht dieser strengen Behandlung, die jedoch keinesfalls Respektlos sein sollte, der Dank entgegen, den die Pat. nach soweit erfolgreicher Behandlung aussprechen. Die zuvor sehr unangenehmen Maniker sind dabei meistens die angenehmsten.
Ich kann aber auch niocht abstreiten, dass es Mitarbeiter gibt, die das gut finden, sich in einer gewissen Machtposition zu befinden. Diese können mitunter auch respektlos auftreten. Ich habe es allerdings bisher noch nicht mitbekommen, dass Pat. vom Personal oder anderen Mitarbeitern des therapeutischen Teams beleidigt wurden. So etwas gibt es sicherlich, ist aber eigentlich die Ausnahme. Kann man dann so alle Psychiatrien über einen Kamm scheeren und somit das schlechte, klischeehafte Bild, das immer noch in den Köpfen der Menschen existiert, schüren? Viele stellen sich vor, dass es tatsächlich so abgeht, wie vor hunderten Jahren oder zwischen 33 und 45. Aber das ist schlichtweg falsch und durch einseitige Erfahrungsberichte verfälscht.
Natürlich weiß ich, dass es einige KLiniken geben mag, in denen das Verständnis für die Patienten mit der Krankheit im Hinterkopf abhanden gekommen sein mag. Bis sich letztlich überall, sowohl bei der Bevölkerung als auch bei den dort arbeitenden, eine positivere Einstellung zur Psychiatrie eingestellt hat, wird es wohl noch eine ganze Weile dauern.
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Published by Kolossia - in Psychiatrie
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