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29. September 2011 4 29 /09 /September /2011 09:50

Gestern, also am 28. September 2011, trat Atze Schröder bei Stern-TV auf. Atze Schröder? Genau, das war der, dessen Anwalt mich dazu zwang, den echten Namen sowie die Fotos, auf denen er ohne Verkleidung zu sehen ist, verschwinden zu lassen. Denn der Herr Schröder habe das Recht, seine Identität zu wahren. Kennen wir ja alle schon zu genüge.

Atze Schröder war also bei Stern-TV zu Gast. Thema war: Kindersklaven in Afrika. In diesem Zusammenhang ging es vorrangig um eine sehr engagierte Krankenschwester, der das Leid der Kinder so zu Herzen gegangen ist, dass sie sich, trotz sehr überschaubarer finanzieller Mittel, dafür einsetzte.

atze afrika

Atze Schröder scheint sich auch in Ghana für Kindersklaven einzusetzen. Das finde ich ausgezeichnet und rechne ihm das hoch an. So kann er sich als Prominenter doch zumindest etwas Gehör verschaffen.

Was mich aber bei dem Bericht störte, war die Maskierung von Schröder. So stand er also umringt von geknechteten Kindern und verzweifelten Familien da, und trug seine alberne Perücke und die Sonnenbrille. Aufgrund eines Fotos, das zufällig von ihm geschossen wurde (und ich hier einst verlinkt hatte) weiß ich, dass er seine Verkleidung auch mal auszieht. Doch sobald es ein offizielles Foto von ihm geben soll, wirft er sich in Schale. So ist er, das ist seine Rolle.

Aber in Afrika mit diesem tragischen Hintergrund aufzutreten, finde ich geschmacklos. Entweder lief er die ganze Zeit in seiner Verkleidung rum (was ich mir nicht vorstellen kann) oder er hat sich extra für die Fotos so hergerichtet.

Einen Stich ins Herz haben mir jene Bilder versetzt, die ihn zeigten, wie er ein an Malaria erkranktes Kleinkind im Arm hielt (natürlich mit alberner Verkleidung). Dieses Kind sei Minuten später in den Armen seiner Eltern verstorben. Atze Schröder war dabei.

Warum also, frage ich mich, ist es ihm so wichtig, diese verdammte Verkleidung zu tragen, wo um ihn herum wirkliches Elend herrscht. Er muss ja die Utensilien ständig bei sich tragen; seine Gedanken scheinen immerzu darum zu kreisen, wann er für die Kameras Atze Schröder sein muss und nicht mehr Hu… ups, fast wäre es passiert. Nicht, dass ich wieder Post von seinem Anwalt bekomme, denn da hört für Atze Schröder der Spaß auf, da beginnt der Ernst des Lebens.

Hätte Atze Schröder im Zusammenhang mit seinem Ghana-Engagement ausnahmsweise mal auf seine Verkleidung verzichtet, hätte er damit gezeigt: Leute, das hier ist mir wichtiger als mein Prollo-Image. Ich bringe diesen Menschen meinen Respekt entgegen, stelle mich mit meiner fiktiven Identität nicht über ihr Leid, sondern nehme Teil an ihrem Leben. Es gibt Wichtigeres im Leben, als Atze.

Übrigens: Atze Schröder hat in Ghana wohl auch mit seinem „Humor“ zurückhalten müssen, der sei dort nicht gut angekommen.

U mad, Bro?


 

 

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Kommentare

Baby176 02/12/2012 09:21


Ohne Verkleidung würde man ihn wohl kaum erkennen. Und er soll ja wohl als Prominenter für Spenden werben.

Tini 01/25/2012 11:06


Ich finde es auch gar nicht so schlimm, ehrlich gesagt. Wenn er da ein paar Fotos in siener Rolle macht, ist das noch ok. Schliesslich kennen wir ihn nur so und nicht ander. Es ist sein Recht,
sich so zu präsentieren. Ich hoffe aber natürlich sehr, dass er er war, als er mit den Familien sparch und sich das Dorf anschaute...

Tuhdnicks zur Saché 12/02/2011 01:15


"Atze Schröder" ist eine Kunstfigur i.S. einer erdachten Figur. Was immer man auch von der Figur "Atze Schröder" halten mag - der Darsteller hat für sich entschieden, diese Kunstfigur nicht mit
seinem Privatleben zu vermengen. Dazu gehört nicht nur, dass "Atze Schröder" seinen amtlichen Namen nirgends im Zusammenhang mit ihm geschrieben sehen möchte. Auch Bilder seines tatsächlichen
Aussehens sollen anscheinend in keinen Zusammenhang mit der Kunstfigur gestellt werden. Ich denke, das gehört nicht nur einfach respektiert, sondern muss auch juristisch beachtet werden.


Daraus ergibt sich aber auch, dass der Darsteller der Kunstfigur "Atze Schröder" ohne Kostümierung (selbst bei Nennung seines Künstlernamens) kaum oder zumindest weniger erkannt werden würde und
darum das "Zielpublikum" ihn weniger wahrnimmt. Der Einsath "Atze Schröders" wäre vermutlich also weniger effektiv.


Kurz gesagt: Ich verstehe nicht, warum man einem Darsteller, der sich für eine objektiv gute Sache engagiert und der eben nur als seine Kunstfigur bekannt ist und in der Öffentlichkeit auch nur
als solche wahrgenommen werden möchte, sein Engagement in eben dieser Rolle vorwirft.

bettgefluester 11/21/2011 18:21


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