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18. Juni 2012 1 18 /06 /Juni /2012 08:34

Ich habe einen Kater. Das ist ja eigentlich ganz schön, weil ... ja, warum eigentlich? Inwiefern bereichert dieses Tier mein Leben, warum haust es hier mit einer Selbstverständlichkeit, die beinahe schon anmaßend ist? Weil es so niedlich und so goldig und so kuschelig und so familiär ist?funny-pictures-cat-eats-an-ear-of-corn-with-typewriter-soun.jpg

Ich weiß nicht recht.

Fangen wir mit dem Namen an. Das Tier ist adoptiert, somit hatten wir keinen Einfluss auf den Namen. Der Kater ist rot und groß und ... wohlgenährt. Er hört, ja, er hört auf den Namen "Söckchen".

Dieses Söckchen (ich sehe ihn eher als Neutrum, denn sein Verhalten ist weit davon entfernt, besonders männlich zu wirken) ist verwöhnt. Meine Schuld, ich gebe es zu. Trockenfutter verschmäht er meistens, lässt sich maximal dazu herab, wenn er vor lauter (gespielter) Schwäche von einer Ecke in die andere plumpst. Und dieser vorwurfsvolle Blick. Ein Schlingel ist er.

funny-cats-6-cyndaquil-funny-02.jpgEigentlich wollte ich etwas über das Nassfutter loswerden. Ich habe ihn also ab und zu mal mit Nassfutter verwöhnt, das mag er, wie fast alle Katzen.

Das Problem ist nur, dass ich ihn damit wohl angefixt habe. Aber so richtig. Ursprünglich haben wir die stumme Vereinbarung, dass er morgens und abends etwas bekommt (eigentlich auch nur als Appetizer).

Aber Söckchen setzt mich unter Druck. Die anderen Familienmitglieder lassen sich auf seine Manipulationen nicht ein, meine Frau ignoriert ihn gekonnt und verweist ihn immerzu freundlich aber bestimmt auf sein dauerhaft vorhandenes Trockenfutter (das staubbedeckt ein allzu betrübliches Dasein fristet).

Aber ich, ich scheine sehr labil zu sein. Und der Kater merkt das, hat das richtige Gespür. Er ist ständig an meiner Seite, von morgens bis abends. Er liegt die ganze Nacht auf dem Bett (oder in der Nähe), schreit mich an, sobald ich die Augen öffne. Und er lässt nicht locker, ehe er sein Nassfutter von mir bekommt. Dazwischen saust er um meine Beine, räkelt sich, schmeißt sich auf den Boden und verrenkt die Gliedmaßen, schaut mich traurig-aggressiv an, springt, flitzt durch die Wohnung, um meine Aufmerksamkeit zu erregen.

Wie ein Junkie.

Nach dem Verzehr seines allerübelst riechenden Fraßes schreit er mich wieder an, als habe er noch nicht genug. Jetzt mal im Ernst: wie groß ist bitte ein Katzenmagen? Da passt nicht mehr rein!

Nach etwa einer halben Stunde beruhigt er sich, wenn der Verdauungsapparat Blut braucht, und es damit dem aufgeregten Katzenhirn entzieht.

Dann wird Söckchen müde und schläft ein.

Ich fahre zur Arbeit, Söckchen zieht sich den ganzen Vormittag zurück.

Sobald ich am Nachmittag die Tür zu meiner Wohnung aufschließe, werde ich nicht etwas herzlich von Frau und Kindern in Empfang genommen, nein, ein verschlafen aussehendes Tier ist aus seiner Starre erwacht und rennt mir mit einem Affenzahn entgegen, als sei es auf der Flucht vor der Apokalypse. Mag manchmal auch relativ zutreffend sein, wenn er längeren Kontakt mit meinem Jüngsten gehabt hat.

Aber in erster Linie geht es ihm wiedermal um die Nahrung, um sein ekelhaftes Feuchtfutter.

Wieder zieht er eine Show ab, für die er in Hollywood mindestens die goldene Himbeere bekommen würde. Meistens bleibe ich aber hart, so dass Söckchen irgendwann mit einem Seufzen (!) aufgibt und darum bittet, bis zum Abend im Freien verbringen zu dürfen.

Ich entlasse ihn also gutmütig nach draußen und erfahre irgendwann, dass er sich bei meinen Eltern im Nachbarhaus durch den Keller schleicht, um der dort sesshaften Katze das, na was wohl, Nassfutter wegzufressen.

Doch meistens ahne ich das nicht und gebe ihm am Abend das, wonach er verlangt. Gäbe ich es ihm nicht, würde er mich noch bis in die Nacht tyrannisieren. Wenn ich dann abends gemütlich auf der Couch liege, den anstrengend Tag ausklingen lassen will und das Söckchen nicht bekommt, was es will, dann kann es schonmal passieren, dass ich plötzlich statt des Fernsehbildschirms eine haarige, oft krümelige Rosette in meinem Sichtfeld habe. Eine Wonne.fail-cat[2]

Jetzt komme ich nochmal auf das Feuchtfutter zu sprechen. Ich habe vor kurzem versucht, dem Kater etwa eine Woche lang kein Nassfutter zu geben.

Das war der kalte Entzug. Es war ein Desaster sondergleichen, begleitet von Tränen, Geschrei, Schmerz und animalischen Gebärden. Junkie halt.

Und nun meine Vermutung: ich bin mir sicher, dass die Futtermittelkonzerne, nein, die Katzenfutterlobby dafür sorgt, dass süchtigmachende Inhaltsstoffe das Nassfutter durchziehen! Schmecken Katzen überhaupt? Wenn ja, dann ist im Katzenfutter Glutamat oder ein anderer Geschmacksverstärker, hundertprozentig. Ich kann es mir nicht anders erklären, warum Söckchen dermaßen darauf abgeht,

Der Kater hat mich in der Hand, und mit ihm die Hersteller dieser Nahrung. Kinder werden durch Werbung manipuliert, Tiere durch den Müll, den wir ihnen zu fressen geben. Ist das nicht raffiniert?

Und wofür? Dafür dass ich Söckchen am Abend seine (offiziell) zweite Portion gebe und diese dann postwendend in handlicher Wurstform auf meinem Bett ausgekotzt wird.

Gute Nacht. Morgen mache ich alles anders ...


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Kommentare

das-leben-und-die-welt 06/22/2012 23:30


Wir haben einen Kater und Katze und die gehen auch voll ab wenn es um Nassfutter geht. Eigentlich wird ja behauptet, dass das Futter von den Tieren gesünder ist als unser Essen. So wie das
manchmal riecht kann ich es mir nicht vorstellen und wenn es gesund wäre würde es mein Kater bestimmt nicht fressen