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4. November 2009 3 04 /11 /November /2009 00:39
Sowas aber auch. Da werde ich aus heiterem Himmel angerufen, und gefragt, ob ich bei der RTL-Verfilmung zum Absturz der Hindenburg im Jahre 1937 mitspielen möchte. Natürlich nur als Komparse versteht sich.
Da ich bisher noch keine Erfahrungen mit Komparsenjobs gemacht habe, sagte ich zu. Das finanzielle Angebot war zwar nicht überwältigend, aber die Erfahrung wollte ich mir nicht entgehen lassen.
Gesagt, getan. Ich begab mich zur Kostümprobe und schlüpfte in einen Stilechten Anzug inklusive Trenchcoat, ganz so, wie es sich für einen von der Amerikanischen Presse gehörte. Einen solchen sollte ich nämlich darstellen. Zu diesem Zweck bekam ich auch eine mehr oder weniger nette Frisur geschnitten. An den Seiten und im Nacken raspelkurz. Dass ich damit die nächste Zeit auch auf meiner Arbeitsstelle in der Psychiatrie rumlaufen muss, wurmte mich schon etwas. Aber was tut man nicht alles für den Ruhm?
Eine Woche später ging es los. Ich sollte um 14.15 Uhr in Köln sein. Ich zog mein Kostüm an, begab mich nochmals in die Maske und begann zu warten. Ich wartete und wartete, fuhr mit einem Bus zum Filmgelände, eine alte Fabrik, und wartete. Ich wartete und wartete. Mein Handy hatte ich vergessen, so dass ich zeitlich völlig desorientiert war. Hatte ich schon erwähnt, dass ich wartete? Schließlich gab es eine "Mittagspause". Ein mehr oder weniger schmackhaftes Büffet. Danach ... ja, ich wartete.
Das ganze war ein Nachtdreh, musste also warten, bis es dunkel war.
Schließlich ging es los.
Wir, das heißt ich und etwa 80 andere Komparsen, wurden ans Set geführt, das eine Art Gasse darstelle. Ich Hintergrund sah man ein großes beleuchtetes Fabrikgebäude, auf dem "Lakehurst N.Y." stand. Sah schon nicht schlecht aus. So zückten auch bereits die ersten meiner Mitkomparsen ihre Handys und Kameras und fotografierten wie die Wilden. Ich hatte meines vergessen. Gleich darauf bekamen wir den ersten Anrotz: Wir durften keine Fotos machen, wegen der Bildrechte. Gehalten hatte sich daran niemand. Es wurde munter fotografiert. Vom Set, vom Team, von den Schauspielern. Am selben Abend stellten einige Deppen ihre Videos und Fotos bei YouTube ein und luden bei StudiVZ hoch. Dass der Anrotz am nächsten Tag noch direkter war, versteht sich.
An diesem Tag war unter anderem Stacy Keach am Set. Ich kannte ihn nicht. Andere meinten, er sei in den USA ein ganz Großer. Tja.
Ich will nicht zu ausschweifend werden. Wir bekamen Instruktionen, wie wir zu stehen oder zu rennen hatten und schließlich ging der Dreh, nach längerem Warten, das hatten wir ja bereits, los. Immer und immer wieder die selbe Szene. O-Ton: "Ja, das war schon sehr gut. Und nochmal." Die erste Szene wiederholten wir ungefähr 10 mal. Immer verbunden mit langen Wartezeiten dazwischen. Kamereinstellung prüfen, Licht korrigieren, Schauspieler instruieren und und und.
Dann wurde die Szene wieder gedreht. Diesmal aus einer anderen Sicht.
Irgendwann waren wir dann fertig. Es war interessant, aber doch recht anstregend.
Der nächste Tag, ich mache es kürzer, verlief ähnlich. Allerdings begannen wir noch später und der Dreh dauerte bis etwa 4.00 Uhr morgens. Es wurde kalt, wir waren müde, überdreht. Lustig wars.
Das seltsame waren jedoch die Ankündigungen, die man uns machte, was an welchen Tagen gedreht werden sollte. Da war die Rede von aufwendiger Pyrotechnik, brennenden Leuten. Man müsse um sein Leben rennen und  und und. Nichts davon fand am letzten Drehtag statt. Schade. Zwar spielten wir in einem provisorischen Lazarett mit Brandopfern und so, aber DER Knüller, wie man uns versprach, war es nicht.
Weiterhin fiel mir diese doch recht hohe Grundanspannung bei fast allen Leuten des Filmteams auf. Furchtbar. Es mag ja stressig sein, 150 Komparsen (im Jargon: Komparserie ;)) zu koordinieren, aber die haben sich den Job ja selber ausgesucht. Besonders negativ fiel dabei ein in Leder gekleideter Typ auf, dessen Funktion mir bis heute nicht aufgegangen ist. Anraunzer oder so. Übel gelaunt, Offizierston. Ätzend. Man steht sich stundenlang die Beine in den Bauch, friert, verraucht seine ganzen teuren Zigaretten, weil man nichts anderes zu tun hat, macht die Nacht zum Tage und bekommt für das alles einen mikrigen Lohn von 55€. Dann muss man sich noch anpflaumen lassen?

Mein Fazit: Ich habe meine Erfahrung als Komparse gemacht. Habe mir reichlich Notizen für eventuelle Kurzgeschichten gemacht. Habe interessante Einblicke hinter die Kamera bekommen, stand neben Hannes Jaenicke (Uiii) und weiß, wie hart Drehtage sein können. Die Erfahrung sollte man nicht missen. Doch sollte ich nochmal angerufen werden, um bei einem Dreh Komparse zu sein, dann werde ich es höchstwahrscheinlich verneinen. Es sei denn, die Bezahlung ist wesentlich besser (Ich hatte einen langen Anfahrtsweg), oder meine "Rolle" ist spannender. Ansonsten versuche ich es mit ehrlicher Schauspielerei, habe mich jetzt bei einem Casting angemeldet.

Wer einen detaillierten Einblick in einen solchen Drehtag bekommen will, wie die Komparsen drauf sind und so, was sich alles abspielt, der kann meine Kurzgeschichte lesen. Ich werde sie hier einstellen, sobald ich zu diesem Artikel mindestens 10 verschiedene Kommentare bekommen habe.

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