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2. Juli 2008 3 02 /07 /Juli /2008 22:38

Eine übermäßige Verwendung von Adjektiven, also Eigenschaftsworten wie still, ruhig, groß, schrecklich etc, werden nur allzu häufig in gut gemeinter Absicht überverwendet.

Sie erwecken den Anschein, dass ein Text tiefsinnig und farbig ist. Daran erkennt man häufig den Anfänger oder den Autor weniger anspruchsvoller Texte.

 

Ein paar Beispiele für die absolut unnötigste Verwendung solcher Worte sind Ausdrücke, wie diese hier:

 

Nasses Wasser, runder Ball, krumme Kurve, schwere Verwüstung, lautes Getöse, etc.

 

Zugegeben, sehr stupide Beispiele, aber es passieren tatsächlich solche Fehler.

 

Schwierig ist es auch mit behauptenden Adjektiven, wie wild, herrlich, toll, unheimlich etc. Diese helfen dem Autor, Dinge oder Begebenheiten zu erklären. Dabei wird jedoch meistens kein klares Bild erzeugt.

 

Nehmen wir mal das Adjektiv unheimlich:

 

1. Auf dem Speicher war es halbdunkel und es herrschte eine unheimliche Atmosphäre

 

Der Rest wird hierbei der Fantasie des Lesers überlassen. Wirklich Stimmung kommt dabei nicht auf. Der Autor macht es sich damit also ziemlich einfach.

 

2. Er öffnete die Türe zu dem Speicher und versuchte etwas in dem halbdunkel zu erkennen. Staub wirbelte bei jedem seiner Schritte auf und war als Flirren in schwachen Lichtstrahlen zu erkennen, die durch etliche Spalten drangen. Es roch nach muffigen, alten Möbeln, die seit Jahren dort standen und in Vergessenheit geraten waren. Die Augen des Mannes gewöhnten sich an die Dunkelheit und erkannten den wuchtigen Schranke, der wie ein Koloss über allen anderen Möbeln thronte.

Bei jedem knarrenden Schritt, den er sich dem Ungetüm näherte, schlug sein Herz schneller. Hier oben konnte jeder auf ihn warten.

Hinter dem Schrank.

In dem Schrank.

Die Türe schlug zu.

Der Mann drehte sich erschrocken um und erkannte zu spät die Hand, die nach seinem Hals griff …

 

Ok, ich bin etwas abgeschweift.

 

Zurück zu den Adjektiven.

 

Adjektive verführen einen zur Bequemlichkeit. Lieber zu wenig als zu viele Adjektive benutzen.

Noch ein kleines Beispiel aus dem TextArtmagazin 2/2007:


Ein "kleiner Hund "sagt weniger aus, als zum Beispiel "eine Westentaschentöle".

"Im millitärischen Bereich" kann ersetzt werden durch: "beim Militär"

"Weihnachtliche Vorfreude" ist Unsinn. Besser wäre: "Vorfreude auf Weihnachten".

 

Man sieht, oft ist es ganz einfach, Dinge anders und besser zu beschreiben.

 

Also, behutsam mit Adjektiven umgehen. Sorgfältig überlegen, ob man dieses Adjektiv nicht benutzt, weil man keine Lust hat, bestimmte Dinge besser zu beschreiben.

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Kommentare

Oli 02/10/2011 19:02



Es kommt aber wirklich auch immer auf die Art der Adjektive an. Wenn man Dinge mit ausgefallenen, witzigen oder sogar neugeschöpften Adjektiven überbeschreibt, entsteht ein netter überzeichnender
Effekt. Einem satirischer Schreibstil beispielsweise, kann dadurch mehr Substanz verliehen werden. Informationsarme Floskelwörter, wie die im Text genannten Beispiele, sind in der Regel aber in
der Tat immer sehr entbehrlich.



Kageko 07/03/2008 20:04

Ich schon wieder! ;)Du benutzt selbst ganz schön viele Adjektive und Ausschweifungen, um eine Sache auszudrücken: ein ausgewogener Einsatz von Adjektiven macht einen Text erst schön. Zu viele oder zu wenige hingegen bauen Spannung ab oder gar nicht erst auf.Meine Kritik an deinem anschaulichen Beispiel:Es geht nicht nur um schöne Adjektive. Wenn du schon ein eigenes Beispiel einbringst, dann schreib das wenigstens auch gut."Er öffnete die Türe zu dem Speicher und versuchte etwas in dem halbdunkel zu erkennen."Was? Er platzt in die Situation hinein und beginnt gleich damit, nichts erkennen zu können? Wie unsinnig.Er öffnete die Türe zum Speicher. Warme, stickige Luft schlug ihm entgegen. Es roch nach muffigen, alten Stoffen und Leder, nach harzigem Holz.Er musste blinzeln, um im Halbdunkel etwas erkennen zu können.Er betritt den Raum und SIEHT nicht (da es düster ist), also nimmt er andere Dinge war: nämlich Gerüche zum Beispiel.Den logischen Ablauf eines Textes wirst du zwar erst später behandeln (hoffentlich!), aber dennoch sollten deine Beispiele schon den richtigen Weg weisen.In Büchern für Lern-/Leseanfänger steht auch nicht alles falsch/schlecht geschrieben, nur weil der Anfänger noch nicht bei den niveauvolleren Kapiteln angekommen ist.

Kolossia 07/03/2008 21:34


Hm, vielen Dank für den Hinweis. Da sieht man ja wunderbar, wie schnell das geht. Habe mich um die Adjektive gekümmert und vergesse gleich den logischen Ablauf. Danke vielmals.